Swissmetal ist ein traditionsreiches Schweizer Unternehmen. Im Jahr 2005 feierten wir das 150-jährige Jubiläum unseres ältesten Werks, der Swissmetal Boillat in Reconvilier. Zu diesem Anlass wurde unsere Geschichte beschrieben und mit einer Ausstellung in Reconvilier greifbar gemacht.
Der Ursprung im 19. Jahrhundert
Der wachsende Bedarf der Schweizer Uhrenindustrie nach Messing zur Herstellung von Uhren-Rohwerken bildete den gemeinsamen Ursprung der beiden Schweizer Werke in Dornach und Reconvilier. 1855 entstand in Reconvilier im Berner Jura ein Walzwerk mit einer Giesserei, die Firma Bueche, Boillat & Cie. Bis zur Gründung der Swissmetal änderte das Unternehmen mehrmals den Namen; ab 1960 firmierte es als Boillat S.A. Auch in Dornach gab es zuerst ein Walzwerk mit einer Giesserei unter dem Namen Schweizerische Metallwerke AG Dornach.
Von 1900 bis 1986
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich beide Werke parallel. Die Walzwerke wurden durch Press- und Ziehwerke ergänzt. Nun wurden auch Messingstangen und später auch Drähte für die Drehereien hergestellt. Im Laufe der Jahre wurden Extrusionspressen gekauft und Ziehereien eingerichtet, wobei die Walzwerke und die Giessereien ebenfalls ständig erweitert wurden.
Entsprechend dieser Entwicklung der Produktionsanlagen vergrösserte sich das Sortiment. Dabei tendierte Boillat immer mehr zu kleinen und mittleren Abmessungen, während sich Dornach auf mittlere und grosse Durchmesser konzentrierte. Das Sortiment überschnitt sich bei den Walz- und Ziehprodukten jedoch mehrfach.
Bis in die 70er Jahre spielte die Uhrenindustrie für Boillat eine grosse Rolle. Dann nahm dort die Elektronik (Telekommunikation, IT, usw.) als Absatzmarkt stark zu. Auch im Markt für Kugelschreiberspitzen trat Boillat schon bald nach dem 2. Weltkrieg auf. Für Walzprodukte nebst Uhrenplatinen aus Dornach waren die Anwendungsgebiete schon früh Munition und Münzen.
Für beide Produktionsstandorte war die Decolletageindustrie für die Ziehprodukte (Stangen und Drähte) stets von grösster Bedeutung. Die Werke stellten ab den 50er Jahren neben Messing auch andere Legierungen wie niedriglegiertes Kupfer, Neusilber und Bronze her.
Der Exportanteil für Produkte aus Dornach und Boillat stieg nach dem 2. Weltkrieg ständig. Die Verkäufe nach Westeuropa wuchsen ab den 50er Jahren rasch an. In den 70er Jahren nahmen die Umsätze in den <country-region w:st="on"><place w:st="on">USA</place></country-region> sowie in den 90er Jahren jene in Asien stark zu.
Infolge der Spezialisierung von Boillat auf kleinere Produkte waren der Personalbestand und das Produktionsvolumen kleiner als in Dornach; wertmässig waren die Umsätze vergleichbar. Die ständigen Investitionen erhöhten die Kapazitäten deutlich und verbesserten die Produktivität deutlich.
Die anfänglich enge Beziehung zur Uhrenindustrie brachte auch eine enge Kapitalbindung mit sich. Insbesondere an Boillat beteiligten sich ab 1917 neben bedeutenden Uhrenhersteller Maschinen- und Kabelwerke an der damals neu gegründeten Fonderie Boillat S.A. Am Standort Dornach waren ab 1934 dieselben Kabelwerke sowie Banken als Hauptaktionäre beteiligt.
Gründung der Swissmetal
Die bereits erwähnte Überschneidung des Produktportfolios führte 1986 zur Gründung der UMS Schweizerische Metallwerke AG. Dabei wurde auch das Werk Selve in Thun im Berner Oberland einbezogen. Das ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Werk umfasste ein ähnliches Sortiment, wobei das Hauptaugenmerk auf Walzwerken lag. 1989 wurde die effektive Reorganisation unter der Marke Swissmetal vollzogen, wobei sich Boillat auf kleine und mittlere Press- und Ziehprodukte, Dornach auf mittlere und grosse Press- und Ziehprodukte und Selve auf Walzprodukte spezialisierten.
1989 wurde auch die UMS Schweizerische Metallwerke Holding AG gegründet. Dabei fusionierten die Werke und verloren damit ihre rechtliche Selbständigkeit. SACT Cossonay Holding SA, ACMV Vevey Holding SA und der Schweizerische Bankverein waren nun die Hauptaktionäre der Gruppe.
Die 1990er Jahre
1990 wurde die deutsche Busch-Jäger Metallwerke GmbH erworben. Dieses Werk war ebenfalls auf Press- und Ziehprodukte kleinerer Abmessungen konzentriert. 1991 wurde beschlossen, das Werk Selve aus wirtschaftlichen Gründen zu schliessen. Mit Ausnahme der Munition, Münzen und Zimbeln wurden die Selve-Produkte auf Boillat und Dornach verteilt. Somit produzierte Boillat Drähte, Stangen und kleine Profile für die Kugelschreiberspitzen, die Elektronik, die Decolletageindustrie (Drehereien) usw. Dornach stellte Stangen, Profile und Bänder her; diese gingen vor allem an die Elektro-, Maschinen-, Schloss-, Uhren-, Bau- und Decolletageindustrie. Diese Absatzbranchen wurden in den 90er Jahren mit der Automobil- und Flugzeugindustrie ergänzt, nicht zuletzt dank der Speziallegierungen, welche unter anderem auf der Sprühkompaktieranlage Osprey in Reconvilier hergestellt wurden. In Dornach brachte die Investition in eine kontinuierliche Conform-Anlage einen Fortschritt bei der Fertigung von Kupferprofilen. Letztere ergänzten ein bereits grosses Sortiment von Profilen aus Messing und Bronze für zahlreiche Anwendungen.
Die Geschichte seit 2000
Infolge des Liquiditätsengpasses beim Werk Busch-Jaeger und der allgemein schlechten Wirtschaftslage in Deutschland, wurde das Werk Ende 2002 dekonsolidiert und anfangs 2003 als insolvent erklärt. In diesem Zusammenhang wurde mit einem Bankenkonsortium ein Stillhalteabkommen unterzeichnet. Im Sommer 2004 kam dann die Refinanzierung der Gruppe durch eine massive Kapitalerhöhung zustande, dank welcher eine positive Ausgangslage geschaffen wurde. Seit 2003 wurde ein operatives Restrukturierungsprogramm mit dem Ziel in die Wege geleitet, die Kapitalrendite des Unternehmens zu verbessern. Zur Restrukturierung gehörte auch die Einführung einer einheitlichen Unternehmenssoftware, SAP. Ausserdem wurden alle zentralen Funktionen integriert. Die Vertriebsorganisation wurde durch den Ausbau der Präsenz in den wesentlichen Märkten neu ausgerichtet. Die Konzentration auf Spezialitäten und die Innovationstätigkeiten wurden beschleunigt sowie weitere Investitionen in Anlagen getätigt. Das Werk Boillat in Reconvilier wurde im Herbst 2004 während 10 Tagen bestreikt. Dies aus Protest gegen den von Swissmetal seit 2003 eingeschlagenen Integrationskurs und aus Angst, die in der Vergangenheit sehr stark ausgeprägte Autonomie des Werks innerhalb des Konzerns zu verlieren.
2005 wurde im Rahmen der Unternehmensstrategie ein industrieller Investitionsplan entwickelt, der unter anderem den Aufbau einer neuen modernen Extrusionsanlage in Dornach und die Zentralisierung von Giesserei- und Extrusionspresseaktivitäten am diesem Standort vorsah. Im Februar 2006 wurde das Werk Reconvilier nochmals bestreikt, diesmal sogar einen Monat lang, um die Unternehmensleitung zu zwingen, sich von der industriellen Integrationsstrategie abzuwenden. Dies gelang aber nicht. Der lang anhaltende Streik führte Marktanteilsverlusten und zu einer Massenentlassungswelle (siehe Memorandum zum Konflikt in Reconvilier).
Mitte Februar 2006 konnte Swissmetal die Akquisition der Busch-Jaeger Metallwerk GmbH, Lüdenscheid, bekannt geben. Dieses Werk war nach der Insolvenz im Jahr 2003 von einer Investorengruppe übernommen worden und hatte sich in der Zwischenzeit sehr positiv entwickelt. Der erneute Zusammenschluss mit Busch-Jaeger gab dann auch den entscheidenden Anstoss zur Beilegung des Streiks Anfang März 2006. Der Abschluss des zweiten Streiks bietet Swissmetal die positive Chance, die Isolation einzelner Werke definitiv zu beenden und industrielle Synergien zu realisieren, die durch eine engere Zusammenarbeit der Werke erzielt werden kann. Synergiepotentiale ergeben sich insbesondere im Hinblick auf den erneut hinzugewonnenen dritten Standort in Lüdenscheid, Deutschland.
Die weitere Entwicklung des Unternehmens seit 2006
Im Januar 2007 übernahm Swissmetal das amerikanische Handelsunternehmen Avins Industrial Products Corp., Warren/NJ, das schon seit den 60er Jahren für Swissmetal erfolgreich den US-Amerikanischen Markt bearbeitete.
In den Jahren 2007 und 2008 wurde der industrielle Umbau des Unternehmens weiter vorangetrieben, um die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz konsequent weiter zu erhöhen. Am Standort Reconvilier konnten sämtliche Aktivitäten in einem einzigen Fabrikationsgebäude zusammengefasst werden und das nur 500 Meter entfernte Werk 2 konnte stillgelegt werden. Die rasche Umsetzung des in den Jahren 2005 und 2006 heftig diskutierten industriellen Konzepts zog eine Restrukturierung an beiden Schweizer Standorten nach sich, welche Ende 2007 in enger Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern durchgeführt werden konnte. Ein grosszügiger Sozialplan wurde vereinbart und umgesetzt.
Zu Beginn 2008 weihte Swissmetal am Standort Dornach die neue Extrusionspresse ein, für deren Hallenbau bereits im Jahr 2006 der erste Spatenstich gemacht worden war. Das Wunderwerk der Technik ist bei voller Leistung in der Lage, vier der alten Anlagen zu ersetzen.
Swissmetal erhielt in 2008 die ersten individuellen Zertifizierungen für die Hochleistungslegierung CN8 durch die Flugzeugindustrie. Der Weltmarktführer für kommerzielle Flugzeuge, Boeing sowie das drittgrösste Rüstungsunternehmen BAE Systems Regional Aircraft, die beide Swissmetal-Produkte durch Swissmetal-Kunden beziehen, spielten hier eine Vorreiterrolle. Somit können die Legierungen von Swissmetal bei der Modernisierung, Wartung und Reparatur von Flugzeugen verwendet werden und geben den Kunden seither langfristige Sicherheit für eine verlässliche Partnerschaft.
Im Jahr 2009 wird die neue Marke der Swissmetal-Gruppe, ATMOVA zur Marktreife entwickelt. Es handelt sich um ein gebäudetechnisches System, das auf Dachziegeln aus Baubronze basiert, die Umgebungswärme für Heizungsysteme von Gebäuden nutzbar manchen. Das Tochterunternehmen Swissmetal Design Solutions AG hat bereits drei Häuser in der Schweiz und Deutschland mit dem System ausgestattet. Schon zu diesem vorindustriellen Zeitpunkt zeichnete sich an diesem intelligenten Produkt grosses Interesse potenzieller Kunden ab.